PROFESSUR FÜR ARCHITEKTUR
UND STÄDTEBAU —

PROF. KEES CHRISTIAANSE

ETH Zürich – Institut für Städtebau
HIL H44.1 – Stefano-Franscini-Platz 5 – 8093 Zürich
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ENTWURFSFORSCHUNG


 

 

 

 

 

Der Kosmos des Entwerfens

Eine methodologische Erforschung entwerferischer Gedanken- und Erkenntnisprozesse

 

Dissertation

 

In der vorliegenden Arbeit wird das Entwerfen nicht nur als Werkzeug zur Imagination neuer Projekte verstanden, sondern auch als eigenständige Form der Wissensgenese erforscht. Die zentrale These besagt, dass das Entwerfen als Quelle und Mündung drei verschiedener Dimensionen gedacht werden kann: Als Veränderungsinstrument, als Mittel des Erkenntnisgewinns und als Ressource einer Theorie der Praxis.


Die Grundlage für die Arbeit bilden zahlreiche Beobachtungen der Entwurfsgenese von praktizierenden und auszubildenden Architekten und Städtebauerinnen sowie eine Fülle von Entwurfsmaterialien und Produkten, die in den letzten sechs Jahren am Institut für Städtebau am Departement Architektur der ETH Zürich gesammelt wurden. Bei der Auswertung des Materials fiel auf, dass dem Entwerfen jeweils unterschiedlichste Rollen zugewiesen werden: Einerseits wird dem Entwerfen zugemutet, ein kreatives Synthesewerkzeug zur Imagination von erstrebenswerten Zukünften zu sein. Andererseits wird das Entwerfen auch als Experiment in einer bestehenden Situation verstanden, mit dem Ziel, die bestehende Wirklichkeit zu untersuchen und somit besser verstehen zu können. Des Weiteren löst das Entwerfen nicht nur offensichtliche Probleme, sondern wird vorrangig verwendet, um relevante Probleme überhaupt definieren zu können. Somit liefert das Entwerfen zusätzlich den Kompass für die Vorstellung des benötigten Wissens, um spezifische Probleme zu lösen. Nicht zuletzt wird das Entwerfen als ein Synthesewerkzeug der Forschung verstanden, welches verschiedene Erkenntnisansätze und Perspektiven in ein proportionales Ganzes bringt.


Diese Arbeit erforscht und verknüpft die verschiedenen Rollen des Entwerfens, um den Entwurfsprozess über den schieren kreativen Akt hinaus als Wissensform verstehen und demnach besser in Beziehung zu anderen Wissensformen setzen zu können. Das Ziel ist die kritische Durchleuchtung und Systematisierung entwerferischer Denk- und Erkenntnisprozesse und eine möglichst inklusive Darstellung des entwerfenden Denkens und Handelns. Somit wird nicht, wie in der heutigen Zeit üblich, versucht, die Entwurfspraxis, die Entwurfstheorie und den Einsatz des Entwerfens in Forschungskollektiven zu stratifizieren und zu spezialisieren, sondern durch die basale Handlung des Entwerfens zu verknüpfen und somit als integrale Denkform zusammenzuhalten. Die Gedankenfigur eines zusammenhängenden Kosmos soll erstens das Verständnis des Entwerfens verbessern, zweitens diese Einsichten theoretisch ordnen und drittens die Entwurfspraxis strukturierend begleiten. Um das Forschungsprojekt auch als Lehrmittel verwenden zu können, wird das entwerfende Denken nicht nur theoretisch fundiert, sondern auch anhand einfacher Beispiele Schritt für Schritt dargestellt und abschliessend in einem ausführlicheren Erfahrungsbericht beschrieben.

 

Schlagworte Entwursforschung, Methodologie, Städtebau

Projektlaufzeit 2012 - 2018

 

Kontakt Simon Kretz