PROFESSUR FÜR ARCHITEKTUR
UND STÄDTEBAU —

PROF. KEES CHRISTIAANSE

ETH Zürich – Institut für Städtebau
ONA G41 – Neunbrunnenstrasse 50 – 8093 Zürich
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URBAN BREEDING GROUNDS



 

 

Leonardo Benevolo definiert in „Die Geschichte der Stadt“ den Übergang vom Dorf zur Stadt mit dem Moment, in dem Menschen spezifische Berufe ausüben – mit anderen Worten, wenn komplexe Netzwerke entstehen. Analog könnten wir jetzt, tausende Jahre später, unsere Idee von Urbanität definieren als den Moment, in dem sich neue oder unerwartete Netzwerke aus der Kombination von alten entwickeln.

 

Konversionsflächen sind jene Stellen der Stadt, an denen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesse der letzten Jahrzehnte deutlich sichtbar werden. Ebendiese Zeugnisse der Vergangenheit werden oftmals Keimzellen für neue Entwicklungen. Sie verfügen über eine Prägnanz und Stabilität durch ihre Geschichte, ihre Identität und ihren Kontext und zugleich über einen gewissen Grad an Offenheit für programmatische und semantische Veränderungen. Sie können somit als dynamisch-stabile Strukturen beschrieben werden. Dieses Wechselspiel macht diese Orte so interessant und auch wertvoll, nicht nur im monetären sondern auch gesellschaftlichen Sinn: sie werden zu Projektionsflächen und Möglichkeitsräumen.

 

Der Begriff „Loft“ steht für diese aneignungsfähigen, flexiblen und zugleich kraftvollen architektonischen Räume und kann in diesem Sinne auch in den Städtebau übertragen werden. Der Bedeutungsgehalt des Begriffes geht somit weit über den gebräuchlichen hinaus und soll irritieren und zum Nachdenken anregen.

 

Das Forschungsprojekt sammelt und analysiert weltweit Beispiele von zwischen- und umgenutzten Konversionsflächen und evaluiert diese auf ihre Loft-Qualitäten hin. Ergänzt wird diese Sammlung durch Überlegungen zum gesellschaftlichen und ökonomischen Wert der Umnutzungen und ihrem Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Abgeleitete Erkenntnisse und Planungshinweise für den Entwurf und die Entwicklung ebensolcher Projekte schliessen die Betrachtung ab.

 

 

researcher: Dr. Martina Baum